Europäisches
Kolleg
Jena

Das 20. Jahrhundert und seine Repräsentationen

Representing the 20th Century


Alexander Walther

Alexander Walther studierte von 2008 bis 2014 Geschichte und Englisch für das Lehramt an Gymnasien in Jena und war langjährig als studentische und wissenschaftliche Hilfskraft am Imre Kertész Kolleg Jena tätig. In seiner Staatsexamensarbeit beschäftigte er sich mit der Erinnerung ehemaliger jugoslawischer Bürgerkriegsflüchtlinge in Deutschland. Seit Februar 2015 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Europäischen Kolleg Jena beschäftigt.

Kontakt

Historisches Institut
Fürstengraben 13
D-07743 Jena

E-Mail

Telefon: +49 (0)3641 944 494

Forschungsprojekt

Die Shoah in der DDR. Repräsentation und Erinnerung jenseits staatlicher Inszenierung (Arbeitstitel)

Das Projekt untersucht die vielfältigen Darstellungsformen der Shoah in der DDR. Ausgehend von der nur spärlich differenzierten Forschungsmeinung, die Vernichtung der europäischen Juden habe im Sozialismus kaum Beachtung gefunden, versucht die Arbeit unter einem dezidiert geschichtskulturellen Ansatz bisher entweder nur separat behandelte oder noch gänzlich unerschlossene Felder zusammenzuführen. Gerade da die Shoah in der offiziellen Gedenkrhetorik der DDR tatsächlich kaum aufgegriffen wurde – und wenn dann zu einer Fußnote des Zweiten Weltkrieges degradiert – und nicht sinnstiftend antifaschistisch erklärt werden konnte, fanden sich abseits des offiziellen und hegemonialen Diskurses zahlreiche Versuche, an die Vorgänge zu erinnern und sie ins Bewusstsein zu rufen.

Um der geschichtskulturellen Dimension gerecht zu werden, sucht die Arbeit verschiedene Akteure (fach-)wissen­schaftlicher, religiöser, literarischer, journa­listischer, künstlerischer oder privat-eigensinniger Natur in einer Gesamtdarstellung zu verbinden. Gerade durch das Spannungsfeld zwischen der Dominanz staatlichen Nichterinnerns und der Marginalisierung nicht-staatlichem Erinnern, muss eine Arbeit zum Umgang mit der Shoah in der DDR einen interdisziplinären Ansatz wählen. Nach gegenwärtigem Stand werden dabei frühe Gedenksteine, die explizit an jüdische Opfer erinnern, ebenso wie übersetzte Sachbücher (etwa Publikationen des Jüdischen Historischen Instituts Warschau) und Dokumentarfilme untersucht. Darüber hinaus werden mit Martin Riesenburger, Heinz Knobloch und Rudolf Hirsch drei Protagonisten beleuchtet, die sich in ganz unterschiedlichen Feldern – Predigten, Kolumnen und Gerichtsreportagen – dem Thema näherten. Ausgehend von den Überlegungen der Gedächtnis- und Alltagsgeschichte sollen diese Zeugnisse und ihre Autor/innen in ihren jeweiligen Entstehungs- und Handlungskontexten untersucht werden.

Forschungsinteressen

Holocaustforschung

Erinnerung und Repräsentation der Shoah

Jugoslawische und postjugoslawische Geschichte

Geschichtskulturen in Deutschland, Ostmittel- und Südosteuropa

Ausgewählte Publikationen

Keine Erinnerung, nirgends? Die Shoah und die DDR, in: Deutschland-Archiv, 15.07.2019.

Zur Rolle der Familie in den Erinnerungen jugoslawischer Bürgerkriegsflüchtlinge in Deutschland, in: Meike Baader/ Petra Götte & Wolfgang Gippert (Hrsg.): Migration und Familie. Historische und aktuelle Analysen, Wiesbaden 2018, S. 101-112.

(mit Christian Jänsch) Kulmhof/ Chełmno nad Nerem, in: Jörg Ganzenmüller/
Raphael Utz (Hrsg.): Orte der Shoah in Polen. Gedenkstätten zwischen
Mahnmal und Museum, Wien/Köln/Weimar 2016, S. 67-98.

(mit Christian Jänsch) Zur Würde von Menschen an Orten
nationalsozialistischer Massenverbrechen
, in: Jörg Ganzenmüller/ Raphael
Utz (Hrsg.): Orte der Shoah in Polen. Gedenkstätten zwischen Mahnmal und
Museum, Wien/Köln/Weimar 2016, S. 329-348.

Tagungsbericht "25 Jahre Aufarbeitung der Geschichte der sowjetischen
Speziallager"
, 25.06.2015 - 27.06.2015 Weimar, in: H-Soz-Kult,
02.09.2015.