Europäisches
Kolleg
Jena

Das 20. Jahrhundert und seine Repräsentationen

Representing the 20th Century


Anna Georgiev

Anna Georgiev studierte von 2006 bis 2012 Kulturwissenschaften B.A. und Interkulturelle Kommunikation M.A. an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Studien- und Arbeitsaufenthalte führten sie nach Paris (2005), Sofia (2008), Haifa/Tel Aviv (2011-2013) und London (2013-2015). Zuletzt arbeitete sie als freiberufliche Kulturwissenschaftlerin in Berlin, u.a. als Projektmitarbeiterin am Museum Europäischer Kulturen, wo sie an der Konzeption der intergenerationalen Ausstellung „Komme Was Wolle“ (AT) mitwirkte. Seit Februar 2017 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am Europäischen Kolleg in Jena angestellt.

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Forschungsprojekt

Musealisierung jüdischer Kultur in Ostdeutschland (Arbeitstitel)

Die Frage nach dem, was bleibt vom 20. Jahrhundert, wird für die Nachwelt auch durch verfügbare Überlieferungen beantwortet werden. In Hinblick auf die Geschichte des Judentums in Ostdeutschland basieren Geschichtsdarstellungen dabei auf einem Quellenbestand, dessen Konstituierung in der Region ebenfalls durch die DDR fortgeprägt wurde, wie sich anhand einer Untersuchung der Musealisierung jüdischer Kultur in der Region nachweisen lässt.
In der DDR wurde - mit Ausnahme des Heimatmuseums in Gröbzig im heutigen Sachsen-Anhalt - deutsch-jüdische Geschichte in Ausstellungen und Museen ab den späten 1970er Jahren peu à peu thematisiert. Erst mit dem 50. Gedenkjahr an die Reichspogromnacht 1988 lässt sich auch eine weitergefächerte, öffentliche Präsentation jüdischer Thematiken in der Museenlandschaft Ostdeutschlands festmachen. Dieser im Vergleich zur Bundesrepublik späten Rezeption folgte auch die wissenschaftliche Forschung zur Musealisierung jüdischer Kultur in der Region, die bis dato ausschließlich das Centrum Judaicum in Berlin (Ost) ausgiebig diskutierte.
Im Rahmen des Forschungsvorhabens wird untersucht, inwiefern sich die historische Auseinandersetzung in der DDR mit der lokalen Geschichte des Judentums auf den heutigen und zukünftigen museologischen Blick in die Vergangenheit auswirkt. Auf welche Ressourcen beziehen sich Museen für die Darstellung jüdischer Geschichte in der Region und welche gesellschaftlichen Prozesse beeinflussten den Quellenbestand? Wie lässt sich der Wandel einer (musealen) Geschichtskultur in Ostdeutschland beschreiben und drücken sich die Besonderheiten der Neuen Bundesländer auch über die Provenienzen ihrer Häuser und Artefakte hinaus aus? Theoretisch setzt sich die Dissertation mit Wiederholung und Wandel innerhalb der Geschichtskultur auseinander. Die Vorgehensweise beruht dabei auf kultur- und sozialwissenschaftlichen Methoden.

Forschungsinteressen

objektorientiere Kulturwissenschaften

Museologie

Jüdische Geschichte und Kultur

Ausgewählte Publikationen

„Zwischenstation Jerusalem oder der geheimnisvolle Jacques Barley – Der Reformationsteppich im Israel-Museum“, in: Anna webt Reformation. Ein Teppich und seine Geschichten. Museum Europäischer Kulturen 2017 (in Planung).

„Gedenken nach dem Krieg - Zur Errichtung der ersten OdF-Denkmäler in Berlin.“, in: Gedenkstättenrundbrief 183, 10/2016, S. 44-50.

„Die ersten OdF-Denkmäler Berlins“, in: Mitgliederrundbrief 75, Aktives Museum, 2016, S. 14-19.

„Paper Dolls' Houses”. Ausstellungshomepage Small Stories: At Home in a Dolls' House, V&A Museum of Childhood.

(mit Zohar Efron) New Ideals. The Image of the New Woman in Photography. Ausstellungskatalog, Stadtmuseum Haifa, 2015.

„Über Neue Frauen, Neue Juden und die Populärkultur. Selbstbilder deutsch-jüdischer Photograph-Innen”, in: Trumah 22, Zeitschrift der Hochschule für jüdische Studien Heidelberg, 2014.


Foto: Fotostudio ebenBild

Anne-Kathrin Hinz

Anne-Kathrin Hinz studierte von 2009 bis 2015 Kommunikationswissenschaft und Kunstgeschichte mit den Schwerpunkten Bildtheorie und Kunst des 20. Jahrhunderts an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Dort arbeitete sie als studentische und wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Kunstgeschichte sowie der Kustodie der Universität. In ihrer Masterarbeit „Am Bildgrund. Reflexionen über die Konventionen des Bildes in der amerikanischen Kunst nach 1945“ untersuchte sie verschiedene künstlerische und theoretische Positionen, die sich mit Grundbedingungen der Wahrnehmung eines Objektes als Bild befassen. Seit Januar 2016 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am Europäischen Kolleg Jena.

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Forschungsprojekt

Abstrakte Kunst als Repräsentation von Geschichte (Arbeitstitel)

Kann abstrakte Kunst Geschichte repräsentieren? Eine systematische Untersuchung der Frage, ob und vor allem wie abstrakte Kunst Geschichte repräsentiert steht bislang aus – aufgrund einer Vielzahl abstrakter Werke mit Geschichtsbezug erscheint sie jedoch umso notwendiger.

Das Projekt möchte dieses Desiderat füllen. Basierend auf der Prämisse, dass abstrakte Kunst eine spezifische Form der Repräsentation von Geschichte ist, liegt der Untersuchung die Frage „Wie repräsentiert abstrakte Kunst Geschichte?“ zugrunde. Die bisherige Forschung ist durch unterschiedliche fachspezifische und interdisziplinäre Diskurse geprägt und legt ihren Schwerpunkt überwiegend auf die Frage, ob abstrakte Kunst Geschichte repräsentieren kann. Dass sich die Verarbeitung von Geschichte in der abstrakten Kunst jedoch durch das komplexe Zusammenspiel der ästhetischen Mittel und äußerer, d. h. kontextueller Faktoren wie Werktitel, Kommentare und Rezeptionsgeschichte vollzieht, wird in der bisherigen Forschung nur marginal reflektiert.

Das Forschungsprojekt untersucht in Deutschland entstandene Werke abstrakter Malerei der 1940er- bis 1980er-Jahre mit einem methodischen Ansatz, der die Analyse ästhetischer Bildqualitäten und historische Kontextforschung systematisch miteinander verbindet. So wird ein Vergleich verschiedener abstrakter Bildstrategien möglich und zugleich ein neuer Zugang zur Frage formuliert, wie abstrakte Kunst Geschichte repräsentiert.

Forschungsinteressen

Bildtheorie mit Fokus auf Malerei nach 1945

Theorie und Geschichte der Fotografie

Kunst des 20. Jahrhunderts

Visualisierung und Verarbeitung historischer Ereignisse in der Kunst

ausgewählte Publikationen

Markenzeichen. Die erste Fotografie der „Minerva mit Helm“, in: Babett Forster (Hrsg.): Wertvoll. Objekte der Kunstvermittlung: Gipsabgüsse, Fotografien, Postkarten, Diapositive, Weimar 2015, S. 56-62.

Mitautorin des Beitrags: Zwischen Sein und Schein des Bildes. Die „Jena Bilder“ von Imi Knoebel, in: Babett Forster/Claudia Tittel (Hrsg.): Serielle Materialität. Imi Knoebel und Peter Roehr, Ausst.-Kat, Gera 2013, S. 30-39.


Foto: Jan-Peter Kasper

Nataša Jagdhuhn

Nataša Jagdhuhn studierte zwischen 2003 und 2008 Kunst und Kunstpädagogik in Belgrad, Wien und Ljubljana. Nach dem Diplomstudium war sie als freie Journalistin mit Schwerpunkt Postkonzeptuelle Kunst, Theater und Performance tätig. 2013 absolviert sie den Masterstudiengang „Kunst im Kontext“ an der Universität der Künste Berlin. Als Künstlerin, Kuratorin, Kunst- und Geschichtsvermittlerin konzipierte und (co-)organisierte sie zahlreiche Ausstellungen. Sie ist Autorin des Konzeptes des Bildungszentrums im „AVNOJ Museums“ in Bosnien und Herzegowina (2014). Seit Februar 2015 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am Europäischen Kolleg in Jena beschäftigt.

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Forschungsprojekt

Auf dem Wege zu einer performativen Museologie im (post-) jugoslawischen Raum.
Eine komparative kulturgeschichtliche Analyse der Darstellungen des Zweiten Weltkrieges in Gedenkmuseen
(Arbeitstitel)

Die Dissertation untersucht die Repräsentationen des Zweiten Weltkrieges in den Gedenkstätten der Nachfolgestaaten Jugoslawiens. Durch eine komparative Analyse wird das Phänomen des Museumswandels nach dem Zerfall Jugoslawiens anhand der Beispiele folgender staatlicher Museen als Fallstudien diskutiert: das „Museum 21. Oktober“ und die Gedenkstätte „Kadinjača“ in Serbien; das „Museum der Zweiten Sitzung des AVNOJ“ und die Gedenkstätte „Kozara“ / „Sutjeska“ / „Neretva“ in Bosnien und Herzegowina sowie die Gedenkstätten „Jasenovac“ und „Lipa“ in Kroatien.

In der musealen Aufarbeitung ist als Anpassung an die gegenwärtige Zeit eine Entwicklungslinie erkennbar, die die Geschichte des Zweiten Weltkrieges in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens rückwirkend durch den Spiegel der Kriegsereignisse der 90er Jahre betrachtet. In diesem Zusammenhang besteht das Ziel der komparativen Studie darin, den musealen Prozess der Nationalisierung des Geschichtsbildes des Zweiten Weltkrieges in Serbien, Bosnien & Herzegowina und Kroatien, dessen Divergenz- und Konvergenzpunkte mit den derzeitigen Tendenzen der Erinnerungspolitik in Europa sowie den Grad der Kontinuitäten und Brüche in Bezug auf die Museumsstandards des ehemaligen Jugoslawiens zu dokumentieren und zu analysieren.

Wie veränderte sich das Bild des Zweiten Weltkriegs in den Museen nach dem Zerfall Jugoslawiens? Der Museumswandel wird aus museologischer („wie“) und historischer („was“) Perspektive anhand zweier musealer Praktiken betrachtet: der Ausstellungsanalyse sowie der Analyse von Gedenkfeiern in Museen. Als methodologisches Instrumentarium wird die Theorie der „Performativen Museologie“ angewendet.

Den theoretischen Rahmen bildet Fachliteratur aus den Museumswissenschaften, der Geschichtswissenschaft, den Performance Studies und den Kulturwissenschaften.

Forschungsinteressen

Erinnerungskonstruktionen in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens

Museumswandel in den postsozialistischen Ländern Europas

Museumswissenschaften und „Performative Turn“

Ausgewählte Publikationen

Monographien

In Zusammenarbeit mit Vedrana Madžar und Zorka Obrenić: „Jüdische Identität im sozialistischen Jugoslawien, 1945-1952“, Online-Publikation der Geschichtswerkstatt Europa 2012.


Ulrike Löffler

Ulrike Löffler studierte von 2008-2014 Geschichte und Englisch für das Lehramt an Gymnasien in Jena. Während des Studiums war sie Tutorin und wissenschaftliche Hilfskraft im Bereich der Neuesten Geschichte. 2012/2013 forschte sie als Visiting Research Scholar an der University of California, Berkeley zur Wahrnehmung des Nationalsozialismus an dieser kalifornischen Universität. Von 2014 bis 2016 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Geschichte in Medien und Öffentlichkeit in Jena. Seit März 2017 untersucht sie als Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Europäischen Kolleg Jena die pädagogische Arbeit bundesdeutscher NS-Gedenkstätten seit den 1980er Jahren.

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Forschungsprojekt

Zwischen „Betroffenheit“, „Schuldeinsicht“ und „radikaler Überwindung des Faschismus“.
Die pädagogische Arbeit bundesdeutscher NS-Gedenkstätten
(Arbeitstitel)

Mehr als siebzig Jahre nach der Befreiung der nationalsozialistischen Konzentrationslager hat sich in Deutschland nicht nur eine weit verzweigte, staatlich geförderte „Gedenkstättenlandschaft“ entwickelt, sondern auch ein dazugehöriges pädagogisches Sonderfeld: die Gedenkstättenpädagogik. Deren Geschichte blieb bislang allerdings unerforscht. Diesem Desiderat stellt sich das Forschungsprojekt, indem es die Konzeption und Entwicklung einer auf den Nationalsozialismus bezogenen Pädagogik an den Verbrechensorten nachzeichnet und analysiert.

Den Kern der Untersuchung bildet die Erforschung und Rekonstruktion zentraler gedenkstättenpädagogischer Ansätze seit den 1980er Jahren, ihrer Inhalte, Adressat/innen, Ziele und Methoden, sowie ihrer theoretischen und gesellschaftlichen Herleitungen. Ein wesentlicher Schlüssel zum Verständnis der Genese unterschiedlicher gedenkstättenpädagogischer Ansätze liegt außerdem in den Persönlichkeiten der Akteur/innen. Deren individuelle Zugänge, biografische Prägungen, Netzwerke, subjektive Theorien und vielfältige Motivationslagen beeinflussten nachhaltig die jeweiligen Konzepte und deren Begründungen.

Aufbauend auf die bis in die Gegenwart geführte Rekonstruktion des heterogenen, gedenkstättenpädagogischen Feldes möchte die Arbeit außerdem einen (fach-)didaktisch inspirierten Beitrag zur Konzeption zukünftiger Gedenkstättenpädagogik leisten. Es handelt sich damit um eine bildungsgeschichtliche Arbeit, die an der Schnittstelle von Geschichtswissenschaft, Geschichtsdidaktik und historischer Bildungsforschung zu verorten ist.

Forschungsinteressen

NS-Forschung

Geschichtskulturen in Deutschland und den USA

Geschichtsdidaktik und Gedenkstättenpädagogik

Historische Bildungsforschung


Clara Mansfeld

Clara Mansfeld studierte zwischen 2006 und 2013 Neuere und Neueste Geschichte, Wirtschafts- und Sozialgeschichte sowie Europäische Ethnologie in Freiburg und Basel. Während des Studiums absolvierte sie Praktika und arbeitete als freie Mitarbeiterin in zahlreichen Museen und Gedenkstätten im In- und Ausland. Zudem war sie langjährige Wissenschaftliche Hilfskraft am Historischen Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg sowie am FRIAS (Freiburg Institute for Advanced Studies). Von 2013 bis 2016 arbeitete sie zunächst als Volontärin und anschließend als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projektteam zur Neugestaltung der Dauerausstellung der Gedenkstätte Buchenwald (Buchenwald. Ausgrenzung und Gewalt 1937 bis 1945). Seit Februar 2017 ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am Europäischen Kolleg Jena.

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Forschungsprojekt

›Der imaginäre Besucher‹ Deutsche Museen und ihre Öffentlichkeit (Arbeitstitel)

Ausgangspunkt des Projekts ist die Beobachtung, dass der Stellenwert, den Museen ihren Besuchern zuweisen, sich in den letzten Jahrzehnten entscheidend verändert hat. Aus historischer Perspektive wird in diesem Zusammenhang das Verhältnis zwischen Museumsmachern und Museumsgängern in den Blick genommen, das solange unproblematisch war, wie zwischen beiden Seiten keine signifikanten Milieudifferenzen bestanden und der Museumsmacher seine Ausstellungen gleichsam ›an sich selbst‹ adressieren konnte.
Die Arbeit soll am Beispiel Historischer Museen die ideellen und institutionellen Voraussetzungen rekonstruieren, die in der BRD von ca. 1950 bis 1990 zu einem grundlegendem Wandel dieser Museumspraxis, d. h. zu einer zunehmenden Auseinandersetzung mit dem Besucher führten. An wen adressierten Kuratoren ihre Ausstellungen? Welche Folgen hatte das für die Vermittlung historischer Inhalte? Von welcher Seite wurde eine stärkere Orientierung am Publikum angeschoben? Im Zentrum des Projekts steht dabei nicht die Frage, wie sich das Museumspublikum im betreffenden Zeitraum tatsächlich zusammensetzte, sondern die, mit welchen Vorstellungen vom Besucher Kuratoren und Museumsmacher arbeiteten und welche Konsequenzen sich dadurch für die Konzeption und Gestaltung von Ausstellungen ergaben.
Dieser Blick auf ein sich wandelndes Publikum durch das Prisma der Museumsmacher vermag auch den aktuellen status quo des Ausstellungswesens historisch zu perspektivieren und Handlungsoptionen für Historische Museen in einer sich verändernden Öffentlichkeit aufzuzeigen.

Forschungsinteressen

Museums- und Ausstellungsgeschichte

Historisches Lernen

Nationalsozialismus und Holocaust

Geschichte der Bundesrepublik

Ausgewählte Publikationen

(mit Kornelia Konczal) Tagungsbericht „Regions of Memory. A Comparative Perspective on Eastern Europe“, 26.11.2012–28.11.2012 Warschau.


Foto: Jan-Peter Kasper

Katharina Meyer

Katharina Meyer studierte von 2008 bis 2015 Sozialwissenschaften und Soziologie in Hannover und Frankfurt am Main mit einem Schwerpunkt auf (psychoanalytischer) Sozialpsychologie, Mikrosoziologie sowie Diskriminierungsformen. Ihre Masterarbeit behandelte das Thema „Zur Auswirkung des Nationalsozialismus auf nationale Identifikationen Jugendlicher in Deutschland“. Seit 2015 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am Europäischen Kolleg in Jena. Darüber hinaus ist sie als Vorstand der Gesellschaft für psychoanalytische Sozialpsychologie und als Mitglied von Humanity in Action aktiv.

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Forschungsprojekt

Zur Historisierung des Nationalsozialismus aus der Perspektive Jugendlicher in Deutschland (Arbeitstitel)

Der Umgang mit dem Nationalsozialismus ist mit dem Übergang zur so genannten „vierten Generation“ durch vielfältige Veränderungen geprägt. So markiert dieser Übergang vor allem eine uneinholbare Distanz zum Geschehen und bedingt gleichzeitig veränderte gesellschaftliche Gegebenheiten innerhalb derer die Auseinandersetzung stattfindet sowie veränderte Anforderungen und Bedürfnisse an die Geschichte des Nationalsozialismus.  

Durch das Sterben der Generation, die den Nationalsozialismus miterlebt und/oder -gestaltet hat, gilt es die Konsequenzen des größer werdenden familiären Abstands und die Relevanz von Familie für das Geschichtsbild heutiger Jugendlicher zu beachten. Ebenso ist zu berücksichtigen, dass sich die familiären Bedingungen deutscher Jugendlicher nicht einheitlich sind: Ihre Vorfahren sind nicht nur Täter/innen, Zuschauer/innen und Opfer des Nationalsozialismus, sondern können auch Erfahrungen als Alliierte oder Besetzte gemacht haben oder keinen biographischen Bezug zum Nationalsozialismus aufweisen. Damit verknüpft stellt sich auch die Frage nach den aktuellen Lernbedingungen von Geschichte. Viele Schüler/innen verfügen bereits vor der Behandlung der Thematik in der Schule über Bilder und Vorstellungen; etwa durch Verwandte, Freundesgruppen oder Medien. Ein weiterer Einflussfaktor ist somit die Medialisierung des Holocausts, vor allem über Spielfilme und die Repräsentation des Nationalsozialismus in den Medien.

Es lässt sich somit ein vielfältiger Einfluss durch den Wandel in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus ausmachen, der nicht allein in der Historisierung, dem Übergang zum kulturellen Gedächtnis oder dem Abschied von den Zeitzeug/innen aufgeht. Das Projekt untersucht vor diesem Hintergrund die Bedeutung des Nationalsozialismus für Jugendliche sowie ihre Zugänge. Die Untersuchung erfolgt qualitativ, in Form von Gruppendiskussionen, Interviews und Beobachtungen.

Forschungsinteressen

Antisemitismus und Rassismus

Gender und Queer Studies

Nationalsozialismus und Weitergabemechanismen 


Foto: Jan-Peter Kasper

Daniel Schuch

Daniel Schuch studierte von 2008 bis 2012 Geschichte, Politikwissenschaft und Soziologie an der Technischen Universität Dresden und schloss im Sommer 2015 sein Masterstudium Geschichte und Politik des 20. Jahrhunderts an der Friedrich-Schiller-Universität Jena ab. Dort war er seit 2014 am Imre Kertész Kolleg und am Lehrstuhl für Geschichte in Medien und Öffentlichkeit als wissenschaftliche Hilfskraft tätig. In seiner Masterarbeit analysierte er die geschichtspolitischen Deutungskämpfe um den Kosovo-Krieg anhand der Debatten in der Zeitschrift „konkret“.

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Transformation der Zeugenschaft. Von David Boders Interviews mit Displaced Persons zu den institutionalisierten Holocaust Testimonies (Arbeitstitel)

Wie werden aus den komplexen Erfahrungen und Erinnerungen an die Verfolgung und Vernichtung der Juden und Jüdinnen erzählbare Geschichten? Was bedeutet es, zu je unterschiedlichen Zeiten, eine Zeugin oder ein Zeuge der Shoah zu sein?
Das Dissertationsprojekt untersucht anhand von Interviews mit Überlebenden den Einfluss von soziokulturellen Faktoren auf die Darstellung und Re-Interpretation der Überlebensgeschichten. Den Ausgangspunkt bilden 130 Interviews, die der amerikanische Psychologe David P. Boder im Sommer 1946 mit sogenannten Displaced Persons (DPs) in Westeuropa führte. Anhand einer Auswahl von Audio-Interviews des Boder-Archivs, Video-Interviews mit denselben Personen durch das Visual History Archive in den 1990er Jahren sowie durch das Oral History Department des United States Holocaust Memorial Museum von 2003 bis 2006 werde ich einen Vergleich des Wiedererzählens vornehmen. Die Analyse erfolgt über eine Zeitspanne von insgesamt 60 Jahren und untersucht, wie sich Wandel und Kontinuität in den biographischen Erzählungen manifestieren.
Der Einfluss der Institutionalisierung und Professionalisierung der „Holocaust Testimonies“ seit den 1970ern auf die einzelnen Geschichten soll durch diese komparative, diachrone Analyse herausgearbeitet werden. Die Tradierung der erzählten Lebensgeschichten wird im Kontext sich wandelnder Geschichtskulturen und Diskurse über Zeugenschaft und Überleben gedeutet. Inwieweit sich die Ziele des Lernens und Erziehens mittels dieser Zeugnisse der Shoah seit dem dominanten Diktum vom „Tod der Zeitzeugen“ auf die mündlichen Berichte ausgewirkt haben, soll ebenfalls geklärt werden.

Forschungsinteressen

Holocaust-Studies und NS-Forschung

Geschichtskulturen in Deutschland, Israel und USA

audio-visuelle Geschichtsdarstellungen

ausgewählte Publikationen

(mit Dorothea Warneck/ Tobias Haberkorn/ Saskia Pörtig/ Paul Schütrumpf) (Post-) jugoslawische Geschichtskultur: Ein Blick durch das Schlüsselloch, in: Lehrstuhl für Geschichte in Medien und Öffentlichkeit

 

 


Foto: privat

Anja Thiele

Anja Thiele studierte von 2007 bis 2014 Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte, Philosophie und Kommunikationswissenschaft in Erfurt und Jena. Während des gesamten Studiums war sie als freie Journalistin tätig. In Jena arbeitete sie zudem als wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Theaterwissenschaft bei Prof. Nina Birkner. Ihre Masterarbeit über Elfriede Jelinek wurde mit dem Examenspreis der Universität Jena ausgezeichnet. Seit 2015 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am Europäischen Kolleg Jena.

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Forschungsprojekt

Repräsentationen der Shoah in der DDR-Literatur (Arbeitstitel)

Die Doktorarbeit möchte untersuchen, wie Judenverfolgung und -vernichtung im Nationalsozialismus unter den Bedingungen der restriktiven Geschichts- und Kulturpolitik der DDR literarisch verhandelt wurde. Ausgehend von der theoretischen Annahme, dass Literatur als Teil der Geschichtskultur stets in Wechselwirkung mit der Gesellschaft steht und an der Konstruktion eines Geschichtsbewusstseins beteiligt ist, soll zweierlei in Erfahrung gebracht werden: Erstens soll danach gefragt werden, inwiefern politische und gesellschaftliche Zwänge den literarischen Shoah-Diskurs in der DDR beeinflusst haben. Zweitens steht im Fokus, inwiefern die untersuchten Werke selbst durch ihre genuin literarischen Reflexions- und Artikulationspotentiale die offizielle Geschichtspolitik der DDR sowie deren institutionalisierte Legitimationsnarrative (Antifaschismus, kommunistischer Widerstand) affirmieren und mitformen – oder subvertieren.

Das untersuchte Korpus umfasst fiktionale Texte sowohl von jüdischen Überlebenden, als auch von nicht-jüdischen Schriftsteller/innen in der DDR der gesamten 40 Jahre. Dabei wird eine Kategorisierung der zentralen Texte, etwa von Jurek Becker, Rolf Schneider, Peter Edel oder Christoph Hein, vorgenommen und in Bezug zu Bruno Apitz‘ Nackt unter Wölfen gesetzt, dem diskursprägenden Standardwerk der DDR-Holocaustliteratur. Das Forschungsprojekt ist ein Desiderat, da bislang noch keine breiter angelegte Monographie zu dem Thema vorliegt.

Forschungsinteressen

Literatur bzw. Kunst und Gesellschaftstheorie

Geschlechtertheoretische Literaturwissenschaft

Literaturvermittlung in Museen

Drama und Theater des 20. und 21. Jahrhunderts

Publikationen

„Welch Wort in die Kälte gerufen“ – eine Lyrikanthologie über die Shoah im Kontext der DDR-Erinnerungskultur, in: Medaon – Magazin für jüdisches Leben in Forschung und Bildung, 10 (2016), 19, S. 1–15.

Die Aura in der (Literatur-)Vermittlung. Die Inszenierung einer Faust-Ausgabe in der Ausstellung Lebensfluten – Tatensturm im Goethe-Nationalmuseum, in: Britta Hochkirchen/Elke Kollar (Hrsg.): Zwischen Materialität und Ereignis. Literaturvermittlung in Ausstellungen, Museen und Archiven, Bielefeld 2015, S. 137-154.

Die eigene Stimme. Eine Reportage über die Autorin Claudia Grehn, in: Theaterhaus Jena – ‚My heart will go on‘. Dokumentation eines Flüchtlingsprojekts. Insert zu Theater der Zeit (2012), H. 5, S. 24-25.


Foto: Jan-Peter Kasper

Alexander Walther

Alexander Walther studierte von 2008 bis 2014 Geschichte und Englisch für das Lehramt an Gymnasien in Jena und war langjährig als studentische und wissenschaftliche Hilfskraft am Imre Kertész Kolleg Jena tätig. In seiner Staatsexamensarbeit beschäftigte er sich mit der Erinnerung ehemaliger jugoslawischer Bürgerkriegsflüchtlinge in Deutschland. Seit Februar 2015 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Europäischen Kolleg Jena beschäftigt.

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Forschungsprojekt

Die Shoah in der DDR. Repräsentation und Erinnerung jenseits staatlicher Inszenierung (Arbeitstitel)

Das Projekt untersucht die vielfältigen Darstellungsformen der Shoah in der DDR. Ausgehend von der nur spärlich differenzierten Forschungsmeinung, die Vernichtung der europäischen Juden habe im Sozialismus kaum Beachtung gefunden, versucht die Arbeit unter einem dezidiert geschichtskulturellen Ansatz bisher entweder nur separat behandelte oder noch gänzlich unerschlossene Felder zusammenzuführen. Gerade da die Shoah in der offiziellen Gedenkrhetorik der DDR tatsächlich kaum aufgegriffen wurde – und wenn dann zu einer Fußnote des Zweiten Weltkrieges degradiert – und nicht sinnstiftend antifaschistisch erklärt werden konnte, fanden sich abseits des offiziellen und hegemonialen Diskurses zahlreiche Versuche, an die Vorgänge zu erinnern und sie ins Bewusstsein zu rufen.

Um der geschichtskulturellen Dimension gerecht zu werden, sucht die Arbeit verschiedene Akteure (fach-)wissen­schaftlicher, religiöser, literarischer, journa­listischer, künstlerischer oder privat-eigensinniger Natur in einer Gesamtdarstellung zu verbinden. Gerade durch das Spannungsfeld zwischen der Dominanz staatlichen Nichterinnerns und der Marginalisierung nicht-staatlichem Erinnern, muss eine Arbeit zum Umgang mit der Shoah in der DDR einen interdisziplinären Ansatz wählen. Nach gegenwärtigem Stand werden dabei frühe Gedenksteine, die explizit an jüdische Opfer erinnern, ebenso wie übersetzte Sachbücher (etwa Publikationen des Jüdischen Historischen Instituts Warschau) und Dokumentarfilme untersucht. Darüber hinaus werden mit Martin Riesenburger, Heinz Knobloch und Rudolf Hirsch drei Protagonisten beleuchtet, die sich in ganz unterschiedlichen Feldern – Predigten, Kolumnen und Gerichtsreportagen – dem Thema näherten. Ausgehend von den Überlegungen der Gedächtnis- und Alltagsgeschichte sollen diese Zeugnisse und ihre Autor/innen in ihren jeweiligen Entstehungs- und Handlungskontexten untersucht werden.

Forschungsinteressen

Holocaustforschung

Erinnerung und Repräsentation der Shoah

Jugoslawische und postjugoslawische Geschichte

Geschichtskulturen in Deutschland, Ostmittel- und Südosteuropa

Ausgewählte Publikationen

(mit Christian Jänsch) Kulmhof/ Chełmno nad Nerem, in: Jörg Ganzenmüller/
Raphael Utz (Hrsg.): Orte der Shoah in Polen. Gedenkstätten zwischen
Mahnmal und Museum, Wien/Köln/Weimar 2016, S. 67-98.

(mit Christian Jänsch) Zur Würde von Menschen an Orten
nationalsozialistischer Massenverbrechen
, in: Jörg Ganzenmüller/ Raphael
Utz (Hrsg.): Orte der Shoah in Polen. Gedenkstätten zwischen Mahnmal und
Museum, Wien/Köln/Weimar 2016, S. 329-348.

Tagungsbericht "25 Jahre Aufarbeitung der Geschichte der sowjetischen
Speziallager"
, 25.06.2015 - 27.06.2015 Weimar, in: H-Soz-Kult,
02.09.2015.


Markus Wegewitz

Markus Wegewitz studierte von 2009 bis 2016 Geschichts- und Politikwissenschaft in Halle, Jena und Amsterdam. Seine Masterarbeit „Die »Nacht und Nebel«-Gefangenen als geschichtspolitische Akteure in den Niederlanden, 1945–1995“ entstand im Rahmen eines Forschungssemesters am Duitsland Instituut und am Instituut voor Oorlogs-, Holocaust- en Genocidestudies (NIOD) in den Niederlanden. Er war als wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Geschichte in Medien und Öffentlichkeit der Friedrich-Schiller-Universität Jena tätig und als freier Mitarbeiter im ERC-Projekt „Securing Europe, Fighting its Enemies, 1815–1914“ beschäftigt. Zudem ist er Mitglied im Arbeitskreis Deutsch-Niederländische Geschichte. Seit Januar 2017 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Europäischen Kolleg Jena.

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Forschungsprojekt

Nicolaas Rost. Die Geschichte des Nationalsozialismus im Spiegel einer politischen Biographie (Arbeitstitel)

Das Dissertationsprojekt untersucht das politische Leben des Schriftstellers und Überlebenden des Konzentrationslagers Dachau Nicolaas Rost (1896–1967). Zwischen Belgien, den Niederlanden, der Tschechoslowakei und den beiden deutschen Staaten wirkte Rost vor und nach 1945 als intellektueller Vermittler und warb für die Ideen der deutschsprachigen Literatur. Insbesondere vor dem Hintergrund seines Engagements in den Verbänden der Opfer des Nationalsozialismus und seiner umfangreichen Aktivitäten in der Bildungsarbeit soll die Frage beantwortet werden, auf welche Weise Rosts Wirken mit der gesellschaftlichen Auseinandersetzung über die europäischen Dimensionen des Nationalsozialismus verknüpft war.
Dabei versteht sich das Projekt nicht als klassische Biographie, sondern als problemorientierte Kontextualisierung. Gleichermaßen sollen die verschiedenen Formen staatlicher Geschichtspolitik, das Netzwerk der deutschen Exilliteratur, und die Entwicklung der Formen und Narrative des Gedenkens an die Verbrechen des Nationalsozialismus in den Blick genommen werden.
Als geschichtswissenschaftliches Projekt mit starken Anleihen in Literaturwissenschaft und Exilforschung kann die Dissertation auf eine breite Quellenbasis zurückgreifen. Rosts journalistische Arbeiten, seine Übersetzungen, eigenständigen Publikationen und Korrespondenz haben Spuren in zahlreichen europäischen Archiven hinterlassen.

Forschungsinteressen

europäische Zeitgeschichte

Geschichtspolitik

Organisationen der Überlebenden des Nationalsozialismus

Konzentrationslager

Besatzungsgesellschaften im Zweiten Weltkrieg

Ausgewählte Publikationen

Verschleppt bei Nacht und Nebel. Widerstand und Öffentlichkeit in der politischen Justiz des Nationalsozialismus, in: Erinnern! Aufgabe, Chance, Herausforderung 1 (2014), S. 48–60.

Der kulturlose Kontinent. Von der Persistenz eines deutschen Ressentiments, in: Studentische Fachzeitschrift für Politikwissenschaft Jena 1.1 (2015), S. 11–18.

Tagungsbericht: Probing the Limits of Categorization. The ‚Bystander‘ in Holocaust History, Amsterdam, 24.09.2015 – 26.09.2015“, in: H-Soz-Kult (12.11.2015)